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Reisereportage Tschechien (Oktober 2012)

Wohlfühlen und Genießen im Nachbarland Tschechien

 

Inhaltsverzeichnis

Franzensbad
Marienbad
Karlsbad
Jachymov
Teplice
Bad Libverda
Prag
Vraz
Senioren-Residenzen

Immobilien

Kaufkraft-Beispiele

Fazit
 

Tschechien ist das auf 810 km an Bayern und Sachsen angrenzende Nachbarland von Deutschland. Deutsche Gäste sind herzlich willkommen und das nicht nur wegen ihres Geldes, sondern auch aufgrund der Ähnlichkeiten in Mentalität und gelebten Werten. Die Kaufkraft ist für Deutsche durchaus höher. Das Verkehrswegenetz ist größtenteils hervorragend ausgebaut, doch auch verwunschene Straßen und Alleen durch Wald und Wiese haben ihren Reiz. Die deutsche Sprache ist insbesondere in den Kurstädten weit verbreitet und erleichtert den Alltag vor Ort. LEBENSDOMIZILE WELTWEIT hat für Sie einige Städte der Tschechischen Republik besucht, um die Frage zu beantworten: „Was macht Tschechien für deutsche Senioren attraktiv?“

Kurstädte


Das böhmische Bäderdreieck mit Franzensbad, Marienbad und Karlsbad ist bekannt und doch unterscheiden sich die drei Kurbäder in wesentlichen Punkten. Einerseits in Größe und Fläche der Kurgebiete, in den Besonderheiten und Prioritäten der Behandlungsmethoden und Krankheitsbilder sowie bei Anzahl der Hotels und Pensionen, Einwohnerzahl und angesiedelter Geschäfte. Andererseits zeigen sich die Unterschiede auch in der Zahl der Kurgäste, deren Verweildauer und Herkunftsländer.

 

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links: Kurzentrum Franzensbad
rechts: Viersterne-Hotel Villa Imperial, Eingangstor vom Kurpark

 

So bietet Franzensbad mit nur 5.000 Einwohnern ein angenehm komplexes, verkehrsberuhigtes Kurzentrum mit Parkanlage, Cafés und dem rekonstruiertem Pavillon der Franzensquelle.

image3  Pavillon der Franzensquelle

Mit dem Flaggschiff Villa Imperial und dem beliebten Hotel Pawlik sind allein acht Kurhotels im Vier- und Drei-Sterne-Bereich mit insgesamt 1.500 Betten der Franzensbad AG angeschlossen. Diese organisiert zudem Ausflüge sowie kulturelle Veranstaltungen und zeichnet darüber hinaus für das Aquaforum verantwortlich. Insgesamt besuchen jährlich 30.000 Gäste den idyllisch gelegenen Kurort, die Hälfte kommt aus Tschechien, rund 13.000 aus Deutschland. Die Behandlungen von Herz- und Kreislauferkrankungen sowie Erkrankungen des Bewegungsapparates umfassen aufgrund der vorhandenen Naturquellen und -heilmittel insbesondere Moorbäder, Moorpackungen, sowie Kohlensäurebäder, neben einer Vielzahl weiterer Anwendungen.

Stefan Kühn, Repräsentant der Franzensbad AG, erläutert uns gezielt die Vorteile: Der Kaufkraftgewinn kann bei Dienstleistungen 20 - 30 %, bei Unterkunft und Verpflegung je nach Anspruch und Ausstattung durchaus bis 50 % betragen. Großen Wert legt er jedoch auf das Qualitätsmerkmal der durchweg hochwertigen Behandlungen, eine Betreuung durch deutschsprachiges Personal ist hier selbstredend. Überwiegend kommen Selbstzahler, eine rückwirkende Erstattung der Arztleistungen durch deutsche Krankenkassen oder ein Zuschuss für Unterkunft und Verpflegung muss vorher in Deutschland abgesprochen sein. Gerne gebucht werden Hotels, in denen der Gast aus dem Zimmer mit Bademantel bekleidet direkt zu den Behandlungen oder auch zu Wellnessanwendungen bzw. ins Schwimmbad gehen kann. Die langjährige Erfahrung zeigt: Sollte doch mal ein Krankheitsfall eintreten, ist das Krankenhaus im deutschen Waldsassen nur ein paar Kilometer entfernt. Auch dies gibt den Franzensbader Gästen das Gefühl von Sicherheit und Komfort.


Am Rande der Kurzone gelegen in ebenso ruhiger Lage, eröffnete im Frühjahr 2012 das neue Spa & Kur Hotel Harvey. Gäste finden hier alle Annehmlichkeiten eines Viersterne-Hotels kombiniert mit den Vorteilen Franzensbader Heilbehandlungen und ärztlicher Betreuung, inhouse versteht sich. Eyecatcher sind die im Foyer auch zum Kauf ausgestellten Bilder von Karel Gott, in Deutschland eher als „die goldene Stimme aus Prag“ bekannt.

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links: Neu eröffnet: Das Spa & Kur Hotel Harvey, Franzensbad
rechts: Karel Gott erweckt seit 1990 auch als Maler Aufmerksamkeit, zu sehen und zu kaufen im "Harvey" 

 

Nur 38 km entfernt wartet Marienbad. Palatenik Blenka, Inhaberin des Spa Hotel Harmonie,  empfängt uns. Familiär geht es zu, das spüren wir sofort. Ein 20minütiger Wald-Spaziergang oder die Fahrtroute der „Marienbader Touristenbahn“ verbinden Hotel und die Kolonnade im Zentrum. Das familiengeführte Haus liegt eingebettet in ein 12.000 qm großes Areal mit Forellen- und Karpfenteichen, mitten im Wald und doch irgendwie zentral – und mit ganz viel Ruhe! Selbstgebackene Kuchen locken, nachmittags spielt ein Alleinunterhalter zum Tanztee. „90 % unserer Gäste kommen aus Deutschland“ erzählt uns die Besitzerin stolz und ergänzt: „Manche Stammgäste sind bereits über 80 Jahre alt!“ Natürlich spielen auch hier Preis und Leistung bei gerade mal 17 Zimmern eine Rolle. Palatenik Blenka ist rührig und sieht die Entwicklung vom ursprünglich reinen Touristenhotel, über das Kurhotel bis hin zum seit 2008 zusätzlich betriebenen Wellnesshotel mit eigenem Arzt positiv und nachhaltig. „Bei uns kommt man als Gast und geht als Freund.“ Wir möchten es glauben, geht unsere Verabschiedung doch fast in der herzlichen Begrüßung „alter“ deutscher Stammgäste unter.

image6  Spa Hotel Harmonie Marienbad

In Marienbad buhlen rund 70 Hotels und Pensionen um die Gunst der Gäste. Die Stadt hat 15.000 Einwohner, die geschäftige Infrastruktur unterscheidet sich vom beschaulichen Franzensbad. „Wir haben uns bewusst für Marienbad entschieden, weil wir den mittig liegenden Kurpark so schön fanden“, plaudert mit uns ein Ehepaar aus Sachsen, gemütlich in der Herbstsonne sitzend, um nach den Anwendungen nun den Nachmittag zu genießen. Sie haben zwei Wochen Kur mit Vollpension gebucht, im Paket inklusive ist auch der Bustransfer. Ja, es ist das erste Mal, dass sie eine Kur machen und sie fühlen sich sehr wohl hier.


Aufgrund der Hotelvielfalt besuchen wir – zugegeben mit Mut zur Lücke - einige Hotels, die aus unserer Sicht Interessantes, Einzigartiges oder einfach Schönes und Besonderes für deutsche Gäste anbieten.


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links: Blick über den Kurpark in Marienbad
rechts: Die Kolonnade

 

Auf einer Anhöhe gelegen schweift der Blick vom SwissHouse Appartements und SPA über Marienbad. Einer der begehrtesten Plätze dürfte der außen gelegene Whirlpool mit Weitblick sein – dazu ein Glas Sekt in der Hand… Zwölf geschmackvoll eingerichtete Appartements und Zimmer bieten Raum und ein persönliches Rückzugsgebiet für die hausinternen Kuranwendungen und Wellnessaufenthalte und sind gleichzeitig auch Ausgangspunkt zum Golfen oder Skifahren. Baruska führt uns durchs Haus, die Liebe zum Detail fällt auf. Der schön gepflegte Garten mit Terrasse lädt mit Nachmittagssonne zum Verweilen ein. Das vor vier Jahren eröffnete Haus wird überwiegend von Gästen der Zielgruppe 40plus mit Selbstanreise gebucht. 

Auge in Auge mit dem „Arztfisch“, mit richtigem Namen Garra Rufa, sehen wir uns im Hotel Krakonos, oberhalb von Marienbad im Wald gelegen. Die kleinen Fische kommen ursprünglich aus den türkischen Thermalquellen und helfen bei Hauterkrankungen wie Schuppenflechte, atopischem Ekzem oder trockener Haut. Diese Behandlungsmethode ist einzigartig in Marienbad, darüber hinaus dienen zahlreiche weitere Kuranwendungen, die hoteleigene Salzgrotte und ein Schwimmbad dem Wohlbefinden der Gäste. Wer hier ins Krakonos kommt, sucht Ruhe und Erholung, nutzt die umliegenden Wälder zum Wandern, im Winter den fußläufig erreichbaren Skilift oder schöpft aus dem vorhanden Angebot aus Golfplatz, Reitschule, Bildhauer-Märchen-Paradies, Nordic-Walking-Wegen oder Langlaufloipen. Inhaber Jiri Richter, seit 38 Jahren engagiert im Rat der Stadt Marienbad ist mit Leib und Seele Hotelier und ein Mensch mit Zielen und Ideen. In Kürze wird mal wieder umgebaut, kurz vor Weihnachten bietet das Hotel dann als Erstes in Marienbad die „Trockene Wassermassage“, wie er uns schmunzelnd erklärt.

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links: Garra Rufa, für Präsentationszwecke an den Händen in Aktion
rechts: Golfclub Marienbad, eingebettet in einer ruhigen Lage oberhalb der Stadt

Dass Kuren mit Ruhe und Erholung einer langen Tradition folgt, spürt man in Marienbad fast an jeder Ecke. Prachtbauten wo man hinschaut, Kenner des Neoklassizismus haben hier ihre helle Freude. Der gepflegte Kurpark, sprudelnde Brunnen, Heilquellen, Cafés, die Ruhe bei Spaziergängern, ein Kleinkind springt begeistert und hochkonzentriert über den bis zum Bauch reichenden Herbstblätterberg im Park. Kein Handystress, keine Hektik, die Zeit scheint endlich Zeit zu haben! Gerne möchten wir uns anstecken lassen von der Gelassenheit, doch unser Weg führt weiter. Regina wartet mit einer besonderen Führung auf uns. Schwer zu sagen, welches der Highlights nun das Wahre, Einzige gewesen sein könnte. Direkt an den Kurpark angrenzend befindet sich der Komplex des Health Spa Resorts mit den Hotels Nove Lazne, Centralni Lazne und Maria Spa Courtyard. Trockenen Fußes gelangt man über Korridore und Aufzüge die über 500 Meter lange Wegstrecke durch alle Hotels. Integriert sind zudem das Gesellschaftshaus Casino mit Marmorsaal und Spiegelsaal. Berühmt das Chopin-Festival, ebenso unterhaltsam der Marienbader Kultursommer sowie weitere Theateraufführungen, Konzerte und Festivals.
  


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links: Im Kurpark
rechts: 200-jähriges Jubiläum des Centralni Lazne, Gründungsort von Marienbad

Traditionelle Kurbehandlungen gibt es seit 1808 unter der Nutzung der einzigartigen natürlichen Quellen. Charmant bezaubernd empfängt uns das römische Bad mit Schwimmbecken, und zugegeben, einmal die Badzeremonie in der historischen Kaiser- oder Königkabine zu erleben, dürfte ein unvergesslicher Moment sein. Das Hotel Nove Lazne hat einige historische Baderäume zu Hotelzimmern mit höchstem Komfort umgebaut. Im Hotel Maria Spa beeindruckt uns das Maria Kohlendioxid-Becken für die Gastherapie im Sitzen, die wie ein wahrer Jungbrunnen wirken soll.

 

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links: Imponierend, innen wie außen - das Hotel Nove Lazne
rechts: Die Zeit scheint still zu stehen im Römischen Bad des Hotels

Der gesamte Komplex gehört zur Gruppe Marienbad Kur & Spa Hotels. Wir sprechen mit Marta Bucsai, Qualitäts- und Gästemanagerin über Marienbad und die Hotelgruppe, die hier immerhin acht Hotels im Segment Drei- bis Fünfsterne betreibt. Von ihr erfahren wir, dass die Gruppe in Marienbad eine ganzjährige Auslastung von 73 % vorweisen kann, die Gäste bleiben durchaus zwei bis drei Wochen, was zusätzlich für den Kurerfolg spricht. Die Behandlungen gehen von Montag bis Samstag „ Sonntags ist Ruhetag, denn auch der Körper braucht mal Ruhe“, ergänzt Marta lächelnd. Ständige Investitionen in Instandsetzungen oder Erweiterungen von Durchgängen im engen Korsett der Denkmalpflege stehen auf der Agenda und lassen die von uns gesehenen Hotelanlagen gepflegt und wohnlich erscheinen. Leider, gibt Marta uns zu verstehen, sei zuletzt die Zahl der deutschen Kurgäste etwas rückläufig, was man bedauert. Hochsaison ist von März bis Ende Oktober. Besondere Angebote locken in der Nebensaison, dazu gehören ebenso Weihnachts- und Silvesterofferten – denn Marienbad ist ganzjährig geöffnet! 

Wir danken Marta für die vielen Informationen und gewährten Einblicke in die Marienbader Kurkultur und machen uns auf den Weg in die dritte und wohl bekannteste Kurstadt des Böhmischen Bäderdreiecks: Karlsbad. Das zusammenhängende Kurgebiet im Anschluss an Fußgängerzone und Busbahnhof zeigt überwiegend ein optisch ansprechendes Architekturensemble schöner alter Fassaden. Die ansässigen Geschäfte bieten neben den klassischen Souvenirs Glasprodukte und Kur-Trinkbecher sowie teure Markenartikel.


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links: Kur-Trinkbecher zum Verkauf
rechts: Die Fassaden entlang der Kurpromenade

Auffällig ist in Karlsbad, dass sich die Stadt seit Jahren großer Beliebtheit bei russischen Kurgästen erfreut. Die Trinkkur begeistert aus unserer Sicht jedoch Einheimische und Kurgäste gleichermaßen – denn wir stellen fest, dass jeder Zweite nippend am Trinkbecher durch die Straßen läuft. Die Standseilbahn führt uns kraftsparend über eine Länge von 127 m direkt vom Kurgebiet hinauf zum Hotel Imperial. Imposant beeindruckt das im Stil der Neorenaissance erbaute Hotel und bietet seinen Gästen dabei „Tradition in modernem Gewand“.

image18   Hotel Imperial Karlsbad

Nur sieben Kilometer vom deutschen Oberwiesenthal im Erzgebirge entfernt wartet der erste Radonkurort der Welt auf uns – Jachymov, auch bekannt als Bad Joachimsthal. Das Hotel Radium Palace feiert in diesem Jahr 100jähriges Bestehen mit Konzerten und Kulturprogramm und wöchentlich einem Menü, überliefert aus „alten Tagen“. 1.200 Betten fasst die Kapazität aller Hotels der Kurgesellschaft, die auch für die Gestaltung und Instandhaltung des Kurparks sowie des Kurzentrums Agricola mit Aquazentrum verantwortlich ist. Die wechselhafte Geschichte des Bergbauortes mit heute rund 3.000 Einwohnern hat Spuren hinterlassen, die Besonderheit des Ortes und seine Radonquelle sind geblieben.

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links: 100 Jahre Radium Palace in Jachymov (Stand: 2012)
rechts: Gartenhaus "Aloise Kleina" im Park


Romana Liskova, District Manager Germany, erklärt uns Laien Wirkungsweise und Vorteile der Therapie. Jachymov hat neben großer Wassermengen weltweit die höchste Konzentration des Radonwassers, was tägliche Wannenbäder für die Kurgäste ermöglicht. Gebadet wird 15 bis 20 Minuten pro Tag, der Kuraufenthalt mit insgesamt 25 Anwendungen pro Woche sollte mindestens 14 Tage betragen. Wir fragen nach und bekommen die für viele verblüffende wie beruhigende Antwort: 24 Wannenbäder pro Jahr sind von der Belastung her vergleichbar mit einem Röntgenbild. Geeignet ist die Radon-Therapie für die Behandlung chronischer Erkrankungen des Bewegungsapparates. Die Therapeuten gehören zur Spitze, die hohe Qualität und das Preis-/Leistungsverhältnis sind weitere Pluspunkte. Sales-Managerin Romana Bernatkova führt uns im Anschluss an unser Gespräch noch durch die beeindruckenden Räumlichkeiten des ehrwürdigen Hotels. Gerne hätten wir die Dame aus Tschechien kennengelernt, die gerade zum 54. Mal ihren Kuraufenthalt im Radium Palace genießt. Ein zufälliges Gespräch beim Ausparken unseres Fahrzeugs mit einem deutschen Kurgast aus dem Rhein-Main-Gebiet bestätigt uns jedoch ebenso die augenscheinliche Zufriedenheit. Nachvollziehbar bei rund 20.000 Kurgästen jährlich, die Mehrheit davon aus Deutschland und Tschechien, im Herbst kommen sogar überwiegend Deutsche.

 

Unsere Eindrücke werden mit jedem Gespräch und jedem Kurort immer vielfältiger. Zudem nutzen wir die eineinhalbstündige Fahrt nach Teplice, um die letzten Tage Revue passieren zu lassen und unser Augenmerk auf Land und Leute zu richten. Es fällt auf, dass sich viele deutsche Supermarkt- sowie Bekleidungsketten angesiedelt haben, auch Teile des Verkaufsprogramms sind identisch.  

Im ältesten Kurort Mitteldeutschlands treffen wir Michael Sincak, Manager für den deutschen Markt von Bad Teplitz in Böhmen. Wir sind im Restaurant Beethoven zum Mittagessen verabredet. Die Stadt feiert in diesem Jahr 200 Jahre nach Beethovens letztem Besuch. Das eigens eingerichtete Hotelzimmer, in dem der Meister damals drei Monate wohnte und arbeitete, ist im Kurkomplex liebevoll gestaltet und kann gebucht werden. Das stilechte stumme Klavier dient dabei als Minibar.

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links: Eine inspirierende Übernachtung im Beethoven Zimmer mit dem stummen Klavier?
rechts: Das Restaurant Beethoven am Kurhaus Beethovenbad

Teplice ist mit 51.000 Einwohnern das größte Heilbad Tschechiens, spezialisiert auf Erkrankungen des Bewegungsapparates, Gefäß- und Nervenerkrankungen. Das Quellwasser ist reich an Fluor. Die Kapazität der Kurgesellschaft Bad Teplitz beträgt in insgesamt vier Häusern 660 Betten. Neben Kuren für Erwachsene gibt es hier auch eine Kinderkur-Anstalt, spezialisiert auf Kinderlähmung. Die Stadt verbucht 200.000 Übernachtungen jährlich bei einem durchschnittlichen Aufenthalt von knapp 14 Tagen. 20 % Deutsche, hauptsächlich aus Brandenburg, Berlin und Sachsen, genießen die Kurbehandlungen in Teplice. Diesen Anteil möchte man in den nächsten Jahren gerne ausbauen. 60 % der Gäste kommen aus Tschechien, 20 % sind russische und arabische Gäste. Beim Spaziergang fällt auf, dass die Kurhotels und –anlagen „über die Stadt“ verteilt sind. Kinder und Teenager mit Schultaschen begegnen uns, Mütter spazieren mit Kinderwägen durch kleine Parkanlagen. Hier findet Leben und Kuren parallel statt. Fußläufig vom Kurhaus Beethovenbad sind in kürzester Zeit die Fußgängerzone, Kulturhaus und Theater, Straßenzüge mit prächtigen Villen sowie Wohnungen und Cafes erreichbar. Eine der Villen wird gerade restauriert. Man ist froh, wenn Investoren die wunderschöne Substanz erhalten und den Glanz vergangener Tage mit modernem Komfort zurück bringen. Dies übrigens ist hier noch erschwinglich.

 


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links: Piktogramme erleichtern die Orientierung im Viersterne Hotel Kaiserbad
rechts: Dreisterne-Hotel Steinbad mit Sissi-Cafe und eigenem Kaffee

Wir verabschieden uns von Michael, der übrigens wie alle unsere Gesprächspartner hervorragend deutsch spricht, bedauern ein wenig, das nur hier gebraute, besondere „Meisterbier“ (nach Beethoven) nicht probiert zu haben und machen uns auf den Weg ins sieben Kilometer entfernte Dubi. Michael hat uns einen Kontakt vermittelt zur Residence Tereza, einem Kurbad mit einer im März 2012 neu eröffneten Seniorenresidenz. Die Verwaltungsleiterin Lucie Jelinkova, erwartet uns, der deutsche Hausprospekt liegt schon parat.

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links: Innenhof Residence Tereza
rechts: "Hinterausgang" zum drei Hektar großen Waldpark

Wir spüren die unglaubliche Ruhe und Abgeschiedenheit und freuen uns, nun auch Informationen zum Thema Seniorenresidenzen in Tschechien zu erhalten. Lucie dämpft unsere Erwartung etwas und erläutert: „Wir haben seit März die ersten Senioren im Haus, ein Stockwerk ist komplett belegt. Zum Oktober wurde mit drei weiteren Bewohnern der 2. Stock für Demenz- und Alzheimer-Erkrankte eröffnet. Derzeit bewohnen jedoch nur tschechische Senioren unsere Residenz.“ Parallel läuft im Haus der Kurbetrieb für überwiegend arabische Kurgäste, die Aufenthaltsdauer der Kurgäste beträgt 2-3 Wochen, der Badegäste durchaus 2-3 Monate. Ein Schwerpunkt ist die Behandlung nach Schlaganfällen. Gerne wird die Residence Tereza zukünftig – geplant ab Mitte 2013, wenn die letzten Restaurierungs- und Umbaumaßnahmen erledigt sind – auch deutschen Senioren eine neue Heimat im Seniorenheim bieten. Das Haus verfügt für die Seniorenresidenz dann über insgesamt 109 Zimmer mit Bad, Aufenthalts- und Gesellschaftsräume, eine Waldparkanlage mit Minigolf, Außen-Badebassin und Tennisplatz. Derzeit beträgt der Preis in einem Zweibettzimmer mit Vollverpflegung, 24 h Schwester vor Ort und Arztanwesenheit fünf Tage / Woche sowie Aktivitäten rund 20.000 CKR (ca. 800,- EUR) monatlich. Ausflüge mit dem eigenen Minibus, die freiwillige Mitarbeit im Gewächshaus oder einmal wöchentlich gemeinsam Kochen sind weitere Angebote. Residenzbewohner können darüber hinaus die Infrastruktur der Kureinrichtungen und des Rehabilitationszentrums mit allein sieben Übungsräumen und Turnsaal gegen Entgelt nutzen. Die Residence Tereza ist eine nichtstaatliche Gesundheitsinstitution und wird geführt wie ein Unternehmen. Wir wünschen Lucie und ihrem engagierten Team weiterhin viel Erfolg und werden sicherlich die Entwicklung aufmerksam verfolgen.

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Unsere Fahrt führt nun über Land. Starke Hochwasserschäden aus dem Jahr 2010 und deren Reparaturarbeiten begleiten uns auf den letzten Kilometern mit Umleitungen und holprigen Straßen, aber auch wunderschönen Alleen nach Bad Libverda bei Hejnice, einem der bekanntesten Wallfahrtsorte Böhmens. Am schwarzen Brett der Gesamtrezeption im Hotel Novy Dum inspizieren wir neugierig die angebotenen Ausflüge. Die Nähe zu Görlitz fällt uns auf. Am Fahrstuhl spricht uns ein Ehepaar deshalb direkt an. Es begleitet ihre über 85jährige Mutter diesmal zur Kur. „Die Anwendungen sind gut, deshalb kommt die Schwiegermutter auch bereits seit 20 Jahren nach Bad Libverda.“

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links: Der Hahn des Försters - der Legende nach hat er die Quelle entdeckt
rechts: Stilecht und gemütlich - Pension Frydlant

Sehr familiär ist es hier, man kennt sich und trifft sich zum Teil seit Jahren immer wieder. Nur 20 km von Deutschland entfernt am Nordauslauf des Isargebirges, stehen sechs Häuser mit insgesamt 480 Betten unter der Kurverwaltung Bad Libverdas. Zugegeben, zum Frühstück „pilgern“ alle Kurgäste des Ortes von Vogelgezwitscher und den ersten Herbstsonnenstrahlen begleitet ins Kurhaus – für uns etwas gewöhnungsbedürftig, für die Gäste möglicherweise gefühlt der erste Therapieteil des Tages. Führt der Drei-Minuten-Weg beispielsweise vom Hotel Novy Dum doch direkt durch den Park. Wer aufgrund des Wetters oder Wehwehchen nicht zum Frühstück laufen kann, bekommt es im Zimmer serviert, geben uns Sales-Manager Tomas Chrudimsky und Business Officer Monika Salamonova Einblicke in Traditionen und Gegenwart. Sehr beliebt sind die Pension Frydlant mit privat buchbarem SPA-Bereich im Keller des Hauses und das angrenzende Steak- und Grillrestaurant Valdstejn. Ruhesuchende kommen ebenfalls nach Bad Libverda, umliegende Wälder, das Wintersportangebot im Umland und das neu gestaltete Entspannungszentrum Jizera laden geradezu dazu ein. Der kleine Kurort mit überschaubarem, kompakten Kurzentrum ist auf Herzkrankheiten, besonders auf Zustände nach Herzinfarkt, Bluthochdruck sowie nach Operationen und Herz- bzw. Gefäßerkrankungen spezialisiert. 60 % der Kurenden sind weiblich, Hochsaison ist im Mai/Juni und September/Oktober. Die Anzahl der deutschen und tschechischen Gäste halten sich die Waage. Die Angebote sind je nach Hotelkategorie im Preis gestaffelt, eine Übernachtung im Standard-Doppelzimmer Hotel Novy Dum mit Frühstück und drei heilenden Behandlungen gibt es ganzjährig (außer Weihnachten/Silvester) bereits ab 26,- EUR/Person.  

 

Wer an Tschechien denkt, denkt an die goldene Stadt Prag. Als Hauptstadt, Shoppingmeile mit internationalen Filialen großer Marken, zudem Magnet für zahlreiche Touristen, ist die Stadt sicher nicht für jeden der bevorzugte Ausgangspunkt für Langzeitaufenthalt oder den neuen Lebensmittelpunkt. Dennoch machen wir einen Stopp und nehmen die Reize und Gegebenheiten mit offenen Sinnen auf. Wer den Trubel mag, ist hier richtig.

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links: Straßenmusiker in der Altstadt
rechts: Die Karlsbrücke - immer ein Touristenmagnet

Ob in der Straßenbahn TRAM 22 oder im Umfeld der Touristenhochburgen wie Karlsbrücke und Altstadt: Man spürt den Puls der Stadt, etwas Hektik macht sich breit - ganz anders als bei unseren bisherigen Stationen. Als willkommene Abwechslung und Tagestour aber durchaus empfehlenswert. Ist Prag doch innerhalb von maximal zwei Fahrtstunden von all unseren besuchten Kurstädten erreichbar.

Unsere nächste und letzte Verabredung der Reise haben wir mit Maruschka in Vraz. Zum kleinen, ruhigen Kursanatorium bei Pisek in Südböhmen führen erneut schmale Straßen durch Wald und Wiese. Und dann taucht doch plötzlich vor uns das Kulturdenkmal eines Schlosses mit Kapelle, Landschaftspark und ganz viel Grün und Ruhe auf.

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links: Das Kursanatorium Vraz mit Parkanlage - Ruhe inklusive
rechts: Einer der Speisesäle

„Viele Gäste möchten gerne im Schloss wohnen!“ erklärt uns Maruschka während der Besichtigung. Verständlich, weht hier doch durchaus noch der romantisch-charmante Hauch der Geschichte. Billardzimmer, Speisesäle, eine Bibliothek, immer mit traumhaftem Blick in den gepflegten Park. Im angegliederten Erweiterungsbau mit zusätzlichen Hotelzimmern finden die Anwendungen und Bäder statt. Floating wird angeboten, ein Schwimmbad dient zusätzlich der Entspannung. Die Gäste kommen hauptsächlich aus Tschechien. Behandelt werden überwiegend Nervenkrankheiten und Erkrankungen des Bewegungsapparates.

 

Senioren-Residenzen

Derzeit existieren überwiegend Altenheime für tschechische Bewohner. Auch werden viele kranke Senioren über längere Zeiträume im Krankenhaus behandelt und beherbergt. Doch möglicherweise wird es zukünftig weitere Seniorenresidenzen mit entsprechendem Standard geben, vergleichsweise der von uns besuchten Residence Tereza in Dubi. Die grundsätzliche Infrastruktur und geeignete Immobilien wären vorhanden.

 

Immobilien

Die ein oder andere Villa und auch Wohnungen mit attraktiven, alten Fassaden suchen neue Investoren. In Marienbad, so erzählt uns Marta, wurden erst kürzlich Häuser restauriert und werden nun zum Verkauf angeboten.

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Ganz ehrlich, als wir vor dem ein oder anderen „verborgenen Schätzchen“ standen, kam selbst uns die Idee, was wäre, wenn Mehrere hier eine Senioren-WG gründen und dazu gemeinsam den Kauf und die Renovierung stemmen – in Tschechien eine durchaus erschwingliche Angelegenheit und sicherlich eine Überlegung wert, vorausgesetzt, die Denkmalschutzauflagen sind erfüllbar.

 

Kaufkraft-Beispiele

Die Kaufkraft ist gegenüber beispielsweise Deutschland höher. Das ist einerseits aus den Kurangeboten mit Anwendungen und Unterkunft, aber auch im täglichen Leben ersichtlich. Unsere persönlichen Erfahrungen im Oktober 2012: Ein Schoko-Croissant kostet im Supermarkt 6,90 CZK (0,27 EUR), ein Brot zwischen 28 und 35 CZK (1,10 bis 1,40 EUR), 100 Gramm gekochten Schinken gibt es ab 18,90 CZK (0,76 EUR). Ein Menü, beispielsweise Tagessuppe, Gulasch mit Knödeln und Apfelstrudel, kostet außerhalb der Touristenlokale zwischen 99 und 199 CZK (4 bis 8 EUR), ein Bier 0,5 ltr. frisch gezapft zwischen 17 und 25 CZK (0,70 bis 1 EUR), den Cappuccino danach gibt es für 35 CZK (1,40 EUR). Bei Fastfood hingegen lässt sich nichts einsparen.

 

Fazit

Tschechien bietet Ruhe- und Gesundheitssuchenden ebenso wie aktiven Best-Agern und Senioren viele Vorteile und entsprechende Angebote. Wellness- und Sportbegeisterte finden hier in Golfclubs, auf Skipisten, in Wellnessbädern und auf zahlreichen Wanderwegen sicher die geeignete Freizeitbeschäftigung. Die Umgebung der Kurstädte scheint zu entschleunigen, Hektik muss einfach draußen bleiben. 

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Übrigens – wir haben uns zu jeder Zeit sicher gefühlt. Man spürt die Nähe zu Deutschland, die Mentalität ähnelt sich. Autofahrer sind rücksichtsvoll unterwegs, die Straßen überwiegend gut ausgebaut, Stau haben wir nur zur Rushhour um Prag erlebt. Unsere Gesprächspartner vermittelten uns unabhängig voneinander das Gefühl, wie willkommen deutsche Gäste hier sind. Es lässt sich gut leben in Tschechien. Noch skeptisch? Dann einfach mal selbst ausprobieren, Anreize und Angebote gibt es aus unserer Sicht genug. Viel Spaß!


1-image34Text: Petra Lupp / LEBENSDOMIZILE WELTWEIT

Wir danken allen unseren Gesprächspartnern vor Ort für ihre Zeit und die vielen Informationen, die es uns in Kombination mit unseren persönlichen Erlebnissen ermöglicht haben, diese Reisereportage für LEBENSDOMIZILE WELTWEIT zu verfassen. Vielen Dank auch an das Hotel Radium Palace und Hotel Harmonie Spa für die Bereitstellung der Außenaufnahmen sowie an die Tschechische Zentrale für Tourismus, Berlin, für die Unterstützung bei unseren Recherchen. 

Copyright LEBENSDOMIZILE WELTWEIT  

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Erst im Zusammenspiel aller Faktoren, Erlebnisse und Informationen ist es möglich, eine solche Reisereportage fundiert zu erarbeiten und zu veröffentlichen. Mit unserem Wissen zu den Themen Seniorenresidenzen, Wohnen, Leben und Pflege im Ausland für die deutschsprachige Generation50plus halten wir uns stets auf aktuellem Stand. Denn ganz bewusst besuchen wir nach unserer Recherche ausgewählte Länder, um uns vor Ort von der Realität zu überzeugen. Daher bieten wir interessierten Magazinen, Tageszeitungen oder Online-Portalen an, individuelle Berichte und Artikel, wenn gewünscht auch zu Teilgebieten, gegen Gebühr anzufertigen.

Darüber hinaus stehen wir gerne für Vorträge und Interviews zur Verfügung. Anfragen bitte an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 

Fotos: Martin Klug / LEBENSDOMIZILE WELTWEIT