Ruhestandsplanung 50plus - reicht mein Geld für ein langes Leben?

on Montag, 13 März 2017. Posted in Lebensdomizile weltweit - Blog

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Der Renteneintritt rückt näher und damit auch die Frage: Reicht mein Geld trotzdem für ein langes Leben mit Lebensqualität? Wie wird eigentlich die noch zu erwartende Lebensdauer berechnet?

Was ist, wenn Schicksalsschläge wie schwere Krankheiten, Arbeitslosigkeit, oder die Pflege von Angehörigen vor Renteneintritt das eigene Leben und damit auch die Einkünfte verändern?

Ist denn im Alter von 50 oder 55 Jahren überhaupt noch etwas zu machen? Oder muss man sich, so man Kassensturz mit negativem Ergebnis gemacht hat, mit der Altersarmut abfinden?

LEBENSDOMIZILE WELTWEIT hat dazu Antje Moissl, zertifizierte Spezialistin für Ruhestandsplanung (FH) von der FINUM.FINANZHAUS AG, Heidelberg, befragt.

LW: Der Renteneintritt rückt näher und damit auch die Frage: Reicht mein Geld trotzdem für ein langes Leben mit Lebensqualität? Wie wird eigentlich die noch zu erwartende Lebensdauer berechnet?

Antje Moissl: Die Lebenserwartung wird ab Geburt berechnet. Es gibt Einflussfaktoren wie „wo lebt der Mensch“, welche äußeren Einflussfaktoren gibt es, medizinische Versorgung etc. Es gibt statistische Sterbetafeln, u.a. von der Deutschen Aktuarvereinigung oder Destatis.
Beispiel: Frau, Alter heute 53, Wohnort Deutschland. Die Wahrscheinlichkeit, älter als 90 Jahre zu werden, liegt bei 63,1%, älter als 95 Jahre bei 39,7% und älter als 100 Jahre bei 19,3%.

LW: Was ist, wenn Schicksalsschläge wie schwere Krankheiten, Arbeitslosigkeit, oder die Pflege von Angehörigen vor Renteneintritt das eigene Leben und damit auch die Einkünfte verändern?

Antje Moissl: Genau diese Themen werden in einer fundierten Ruhestandsplanung beleuchtet. Das bedeutet, die Störfaktoren zu analysieren und wenn möglich durch passende Absicherungen auszuschließen. Ein wichtiger Störfaktor fehlt noch: die Selbstbestimmtheit. Das betrifft die wichtige Thematik Vollmachten und Verfügungen (Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsvollmacht). Wer kann für mich handeln, wenn ich es selbst nicht mehr kann?

LW: Ist denn im Alter von 50 oder 55 überhaupt noch etwas zu machen? Oder muss man sich, so man Kassensturz mit negativem Ergebnis gemacht hat, mit der Altersarmut abfinden?

Antje Moissl: Das ist natürlich von Fall zu Fall verschieden. Es gilt auch, bestehende Verträge zu analysieren, ob diese überhaupt noch zeitgemäß sind. Viele Menschen zahlen viel zu viel Geld für Verträge, die gar nicht mehr den heutigen Anforderungen entsprechen. Wir arbeiten nach dem Prinzip Verbraucherschutz und sehen uns auch die Prämien an. Oft kann man hier optimieren und dann den Überschuss für das Alter anlegen. Dies betrifft auch Lebens- und Rentenversicherungen. Die Menschen wissen oft gar nicht, dass es ein gesetzliches Widerrufsrecht gibt und oft wesentlich mehr Kapital zur Verfügung stehen könnte.

LW: Überall ist momentan als Tipp zu lesen die freiwillige Ein- bzw. Nachzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung. Doch ganz ehrlich, was bringt es wirklich, tritt der Breakeven doch erst im 21. Jahr der Auszahlung ein!?

Antje Moissl: Auch hier kann ich leider keine pauschale Antwort geben. Das muss individuell geprüft werden. Auf alle Fälle sollte jeder seine Renteninformationen prüfen. Sind alle Zeiten des Arbeitslebens berücksichtigt? Fehlende Zeiten sollten unbedingt nachgetragen werden, da sich diese Zeiten auf die Regelarbeitszeit auswirken und somit auch auf die Höhe der eventuellen Rente.

LW: Früher dachte man immer, mit der Ehe sind Frauen abgesichert. Viele westdeutsche Frauen haben - durchaus gewollt - nicht oder nur wenig nach der Geburt der Kinder gearbeitet. Ungeachtet, dass sich diese Einstellung nach heutiger Rechtsprechung bereits bei Trennung oder Scheidung rächt, wie sieht es nach dem Tod des Partners mit Witwenrente aus?

Antje Moissl: Ein ganz wichtiges Thema, welches mir sehr am Herzen liegt. Bei fast allen Finanzanalysen, die ich bis jetzt erstellt habe, sind die Frauen im Todesfall der Ehemänner unterversorgt. Die gesetzliche Witwenrente reicht meistens nicht aus. Hier gibt es auch noch Unterschiede, wann die Frau zur Witwe wird. Es gibt eine kleine und große Witwenrente. Was bedeutet aber groß: cirka 55% der Bruttorente des Ehemanns. Wenn der Todesfall zwischen 50 und 65 eintritt, ist auch der Rentenanspruch noch nicht so hoch. Außerdem ist das die Bruttorente und das eigene Einkommen wird auch noch angerechnet. Deshalb lautet schon immer mein Appell an die Frauen: Es müssen Verträge auf den Namen der Frau laufen!

LW: Eigentum verpflichtet! Das lange am Mund abgesparte Eigenheim ist nach dem Auszug der Kinder zu groß und oftmals nicht alterstauglich. Wie sehen Lösungen aus?

Antje Moissl: Auch ein spannendes Thema, das vernachlässigt wird. Der Umbau des Hauses oder der Wohnung ist teuer (z.B. Treppenlifter, barrierefreier Umbau von Wohnräumen und Bad). Wenn keine ausreichenden Rücklagen vorhanden sind, wird es schwer, da aufgrund der neuen Wohnimmobilien-Kreditrichtlinie es gerade Senioren schwer haben, einen Kredit zu bekommen. Eine Möglichkeit ist natürlich der Verkauf und der Umzug in eine altersgerechte Wohnung. Das fällt aber vielen schwer.

LW: Der Pflegefall tritt ein: Wer zahlt, wer kümmert sich? Müssen die Kinder für die Pflege der Eltern finanziell aufkommen? Welche Maßnahmen können noch ergriffen werden?

Antje Moissl: Zahlen muss als erstes der zu Pflegende sowie der Ehepartner. Es gibt zwar eine gesetzliche Pflegeversicherung, die aber nicht alle Kosten abdeckt. Somit müssen als erstes alle Ersparnisse aufgebraucht werden. Wenn dann die Unterdeckung nicht mehr bezahlt werden kann, tritt zunächst das Sozialamt ein, dieses wendet sich jedoch dann an die Kinder und sogar eventuell an die Schwiegerkinder. Es macht absolut Sinn, eine private Pflegezusatzversicherung abzuschließen. Ich habe auch bereits Fälle gehabt, da haben die Kinder die Prämie pro Monat übernommen, da dies immer noch günstiger ist, als für die Pflegekosten in Anspruch genommen zu werden.

LW: Gibt es Informationen oder Tipps, wenn man den Ruhestand im Ausland verbringen möchte?

Antje Moissl: Man sollte seine Verträge überprüfen, ob diese auch im Ausland leisten. Die gesetzliche Rente zahlt im Normalfall im Ausland, jedoch gibt es hier auch Regeln und Einschränkungen, die sorgfältig für jeden Einzelfall zu beachten sind.

LW: Wer sollte bei einer übergreifenden Ruhestandsberatung mit in die Planungen und Lösungen einbezogen werden?

Antje Moissl: Also ganz eindeutig beide Ehepartner. In Bezug auf das Pflegethema auch die Kinder, da dies ein Familienthema ist. Dies trifft ebenso auf Vollmachten und Verfügungen zu.

LW: Wie und in welchem Zeitrahmen läuft die Ruhestandsplanung ab? Was kostet eine Beratung oder vollständige Planung?

Antje Moissl: Als erstes benötige ich alle bestehenden Verträge: den aktuellen Status der deutschen Rentenversicherung oder den Auszug aus dem Versorgungswerk (z.B. für Ärzte, Steuerberater oder Rechtsanwälte), betriebliche Versorgungszusagen, private Lebens- oder Rentenversicherungen, Geldanlagedepots, Sparbücher, Festgelder, aber auch alle Sachversicherungen. Für die Analyse benötige ich ca. zwei Wochen, die Besprechung dauert ca. 2-3 Stunden, je nach der Fülle der Verträge. In diesem Gespräch zeige ich die Ist-Situation in Bezug auf die Langlebigkeit, die steuerliche Situation und den Aspekt der Inflation auf. Es wird festgestellt, ob die derzeitige Versorgung ausreichend ist oder ob Lücken bestehen. Auch, ob ein Optimierungspotenzial vorhanden ist. Aufgrund der Analyse gebe ich dann meine Empfehlungen ab in Bezug auf moderne Produkte und Geldanlage, die speziell für die Zielgruppe 50+ entwickelt worden sind. Das Honorar für die Analyse wird flexibel je nach Zeitaufwand berechnet.

LW: Welche Qualifikationen muss ein Ruhestandsberater mitbringen und worin liegt der Unterschied zu einem allgemeinen Finanzberater?

Antje Moissl: Ich habe ja extra für das Thema 50+ ein Weiterbildungs-Zertifikatsstudium an der FH Kaiserslautern sowie der Finanzakademie Going Public absolviert und abgeschlossen als "Zertifizierte Spezialistin für Ruhestandsplanung (FH)". Eine Ruhestandsplanung hat nichts mit einer Altersvorsorgeplanung zu tun, die bei einem jungen Menschen sehr wichtig ist. Bei der Ruhestandsplanung wird nicht auf die höchstmögliche Rendite für den Vermögensaufbau Wert gelegt, sondern auf die Absicherung der Langlebigkeit und somit der lebenslangen Einkommenssicherung. Weiterhin eines der wichtigsten Themen ist die Hinterbliebenenabsicherung und die Eliminierung der Störfaktoren. Es stehen ganz andere Fragen im Vordergrund und daraus resultierend ganz andere Lösungsempfehlungen.

LW: Vielen Dank für die interessanten Einblicke in den Aufgabenumfang und die Herausforderungen einer Ruhestandplanung!

AntjeMoissl
Foto: Antje Moissl, zertifizierte Spezialistin für Ruhestandsplanung (FH),
FINUM.FINANZHAUS AG, Heidelberg,
www.finumfinanzhaus.de

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